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Der Ebersbacher Förster informiert:




Eichenprozessionsspinner – Prognose und Maßnahmen für 2008


An vielen Eichen im Forstamt Göppingen, insbesondere in den eichenreichen Wäldern im Revier Ebersbach trat im vergangenen Jahr  das „interessante“ Phänomen der Eichenprozessionsspinner (EPS) in Erscheinung. Zu Hunderten wanderten ca. 4 cm lange behaarte Raupen in zum Teil mehrreihigen Prozessionen auf der Suche nach Nahrung am Stamm von Eichen entlang, um ihre Futterplätze (Eichenblätter) oder Verpuppungsnester zu erreichen

Auch im Jahr 2008 ist wieder mit einem Auftreten der Raupen zu rechnen. Insbesondere im warmen Filstal mit seinen vielen Eichen werden wir die Prozessionen wieder sehen.

Die Populations-Entwicklung des EPS durchläuft nach einem Anstieg über 2-3 Jahre eine Hochphase von ca. 5 Jahren, um dann wieder zusammenzubrechen. Diese Zeitspanne bis zum Niedergang der Population benötigen die natürlichen Feinde um sich ebenfalls zahlenmäßig auf den EPS einzustellen.Lässt man der Entwicklung seinen Lauf, so regelt ein intaktes Ökosystem Wald solche Dinge von selber und der Mensch sollte sich nicht zu sehr einmischen.

Die Fraßperiode erstreckt sich von Anfang Mai bis in den Juli. Ab dem 5. Raupenstadium bilden die Raupen die typischen „Raupennester“ (s. Bild).

Bis zur Verpuppung durchlaufen die Raupen 6 Larvenstadien, um dann nach 3 bis 6 Wochen Puppenruhe als Falter zu schlüpfen.

Für den Baum ist der teilweise Kahlfraß in der Regel gut zu verkraften, da mit dem Johannistrieb im Juni ein Großteil der verschwundenen Blattmasse erneuert wird.

Was ist jetzt an den netten kleinen Raupen so gefährlich?

 

Gesundheitliche Probleme

Ab dem 3. Larvenstadium werden Gifthaare ausgebildet, die bei Kontakt mit älteren Raupen sehr unangenehme Hautreaktionen hervorrufen. Die Gift- oder Brennhaare, auch Spiegelhaare genannt, sind mit Stacheln versehen und hohl. Beim Eindringen in die Haut brechen die Haare ab und entlassen die in ihnen gespeicherten löslichen Proteine.

Der Hautkontakt mit diesen Haaren bewirkt eine Dermatitis, die sich in Hautrötungen, leichter Schwellung, schmerzhaftem Brennen und Juckreiz äußert. Oft treten Quaddeln am ganzen Körper auf. In seltenen Fällen, insbesondere bei entsprechend disponierten Personen kann es wie bei allen Allergien zu schwereren Erkrankungen führen.

Realistisch gesehen, kann bei einem Waldspaziergang auf den breiten befestigten Wegen ein Kontakt mit dem EPS ausgeschlossen werden.

 

Vorsichtsmaßnahmen

Der Eichenprozessionsspinner ist ein Teil des Ökosystems Wald mit dem man sich unter Beachtung gewisser Verhaltensregeln gut arrangieren kann.

In besonderen Ausnahmefällen  ist eine Bekämpfung mittels eines biologischen Präparates (Bazillus thuringiensis) möglich. Da das Mittel auf alle Schmetterlingsraupen gleichermaßen wirkt, muss man den Einsatz gezielt und eng begrenzt durchführen.

So plant die Stadt Ebersbach im Bereich des Freibades einen solchen Einsatz um den Badegästen einen sorgenfreien Aufenthalt gewährleisten zu können.

Sollten dann noch im Laufe des Sommers weitere Raupennester an stark frequentierten Plätzen gesichtet werden, so entfernt man diese rückstandsfrei durch geschulte Einsatzkäfte.

Keine Lösung ist der Aushieb der Eichen, wollen wir doch das für uns wichtige Ökosystem Wald mit allen seinen vielfältigen Vorteilen bewahren und weiterhin davon profitieren.

 

Was jeder Einzelne beachten kann:

  • Kinder warnen und über die Gefahren aufklären, Hinweis auf die alten Gespinste!
  • Der Eichenprozessionsspinner (EPS) tritt nur an Eichen (vereinzelt an Hainbuchen) auf
  • Bevorzugt waren bisher  Einzelbäume und Waldränder, mittlerweile sind die EPS im ganzen Wald zu finden
  • Die Haare der Larvenhäute behalten ihre Giftwirkung über Jahre, deshalb auch alte Raupennester nicht berühren
  • Beachten, dass sowohl von lebenden Raupen wie auch von den Larvenhäuten eine Gefahr ausgeht
  • Keine Nester aus Neugierde zerpflücken
  • Keine Raupen bzw. Nester berühren
  • Die Eichenwälder der Region nur auf den Wegen begehen, keinesfalls im Unterholz umherstreifen oder Eichen beklettern. Insbesondere mit Kindern sucht man sich für Geländespiele, Waldsofa, etc. Wälder ohne Eichen, z.B. Fichtenwälder aus, hier ist das Risiko nahezu Null den EPS zu begegnen.
  • Bei starkem Wind sich nicht im Bereich von Eichen aufhalten, da hier evtl. die Haare seitlich verweht werden können

Bei Kontakt mit Raupenhaaren

  • Duschen und Kleider waschen
  • Bei starkem Ausschlag Behandlung durch einen Arzt zur Stillung des Juckreizes
  • Nach einer gewissen Zeit ist der sicherlich unangenehme Ausschlag im Regelfall wieder vorbei

 

Fazit

Verhält man sich entsprechend den oben aufgeführten Empfehlungen, so kann man auch weiterhin den Wald bei Sommerspaziergängen genießen und auch die Kinder können sich ungehindert austoben. Sollte dennoch ein Kontakt mit den Haaren der EPS auftreten, so bleibt einem nichts anderes übrig, als die Ausheilungszeit von mehreren Tagen abzuwarten.

Im Vergleich mit der Übertragung von schwerwiegenden Erkrankungen z.B. durch  Zecken (Borreliose/FSME) und Mäuse (Hanta), wird beim Eichenprozessionsspinner meist überreagiert.



Weitere Informationen erteilt Ihnen sehr gerne

Christoph Reich
Forstrevier Ebersbach
Rommentaler Straße 19
73114 Schlat
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Fax: (07161) 9873612

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