„Wie lernen Kinder Sprache – die Rolle der Eltern beim Spracherwerb“
Am Donnerstag, den 02.02.2006 fand im Mühlradsaal ein Elternabend für Spracherwerb, Spracherziehung und Sprachbildung statt.
Bürgermeister Edgar Wolff ließ es sich nicht nehmen, die Besucher, die der Initiative von 7 Kindergärten und der Zukunftswerkstatt Elternarbeit zum Vortrag über frühkindlichen Spracherwerb gefolgt waren, zu begrüßen. Zuerst sprach zum Auditorium Frau Brigitte Göttinger, Spracherzieherin, der städtischen Kindergärten, sowie dem evangelischem Kindergarten und der Kindertagesstätte. Ein ganz besonderes Anliegen von Frau Göttinger und ihren Kolleginnen, Frau Kupka und Frau Molter, welche für die Kinder, die noch nicht oder wenig deutsch sprechen, zwei mal wöchentlich in Kleingruppen, in jeder Einrichtung arbeiten, sind folgende Punkte:
- Sie sind Vorbild für Ihr Kind!
- Ist es den Eltern wichtig, gut deutsch zu sprechen, werden es auch ihre Kinder tun.
- Spielen Sie mit Ihrem Kind, schaffen Sie Anreize, bauen Sie einfache Erlebniswelten auf und begleiten diese mit Ihrer ganz persönlichen Sprache.
- Nur durch aktive Unterstützung der Eltern kann sich eine gute Sprachbildung beim Kind entwickeln.
Frau Göttinger leitete dann über zum Vortrag von Herrn Dr. Jungwirth, Kinder – und Jugendarzt, zuständig beim Gesundheitsamt für die Einschulungsuntersuchungen sowie allgemeine Schulleistungsprobleme. Die wesentlichen Bestandteile seines Vortrages waren:
- Sprache lernt man nur durch Sprechen!
- Spracherwerb, in einer positiven akzeptierenden und interaktiven Beziehung, erfolgt in der Auseinandersetzung mit der Umwelt, die sich das Kind mit allen Sinnen erschließt.
- Korrigierende Rückmeldung:
Es ist normal, wenn Kinder beim Sprechen Fehler machen oder wenn der Redefluss stockt: nicht auf Fehler hinweisen, nicht wiederholen lassen, keine Ermahnungen! Es reicht aus, wenn Sie als Eltern/ Bezugsperson den Satz kommentarlos richtig wiederholen! Inhaltliche Korrektur ist erlaubt! - Gutes Sprachvorbild von Eltern und Bezugspersonen
Sprechen Sie langsam, betont und deutlich. Bilden Sie vollständige Sätze. Sprechen Sie mit Blickkontakt. Passen Sie Satzlänge, Wortwahl und Informationsgehalt an das Sprachverständnis des Kindes an. Lassen Sie dem Kind Zeit zur Antwort und auch Zeit im Dialog. - Begleiten Sie alltägliche Handlungen oder Spielhandlungen des Kindes mit Sprache, aber überschütten Sie das Kind nicht mit Sprache.
- Fördern Sie die Sprechfreude des Kindes durch aufmerksames Zuhören und emotionale Zuwendung, und lassen Sie das Kind aussprechen.
- Kinder nicht zum Sprechen drängen!
- Akzeptierendes Zuhören bedeutet innere Bereitschaft zur Kommunikation. Wichtig ist die aufmerksame Zuwendung zum Kind. Setzen Sie das Kind nicht unter Zeitdruck, nehmen Sie die Erzählungen des Kindes ernst.
- Kontakt zu gleichaltrigen Kindern: Gemeinsames Spiel mit Gleichaltrigen fördert Sprache, z.B. in der Mutter-Kind-Gruppe, im Kindergarten, gemeinsame Kinderlieder und Kinderreime.
- Bei sprachauffälligen Kindern:
Nicht in Gegenwart des Kindes über die sprachlichen Schwierigkeiten sprechen. - Lieder, Reime, Fingerspiele, Bilderbücher und Spielen unterstützen die Sprache durch Melodie und Rhythmus.
- Vermeiden oder reduzieren Sie Bildschirmmedien wie Fernsehen, Video oder Computerspiele! Sie sind ohne sprachlichen Dialog mit dem Kind, die Bildfolge ist zu schnell, die visuelle Informationsflut zu groß.
- Bitte keine Bildschirmmedien bei Kleinkindern, weil Kleinkinder die Welt „begreifen“ müssen, um die damit verbundene Sprache zu verstehen.
- Mundmotorik: Feste Nahrungsanteile (Brotrinde, Apfel, Möhren) fördern die Lippen- Zungen- und Kiefergeschicklichkeit.
- Dialekt ist Sprachidentität und Dialekt ist nuancenreich. Auch Dialekt kann man korrekt sprechen.
- Muttersprache ist Sprachidentität: Bitte in den ersten zwei Lebensjahren mit dem Kind nur die Muttersprache sprechen! Eine gute Sprachfähigkeit in der Muttersprache bereitet den Weg zu gutem Deutsch und der ersten Fremdsprache.
Nach dem Vortag wurden verschiedene Angebote zum Erlernen der Sprache vorgestellt. Ganz herzlich möchten wir uns bei Frau Bürklein und ihrer Sterntalergruppe, Frau Schmid von der Stadtbücherei, Frau Remler-Holzer von der Volkshochschule, und Frau König vom deutsch-türkischen Frauentreff mit ihrem vorzüglichen Tee und türkischen Spezialitäten, bedanken.
Dieser Markt der Möglichkeiten fand bei den Gästen großen Anklang und sie verweilten in einer sehr harmonischen, kommunikativen und informativen Atmosphäre.
Ein ganz besonderer Dank gilt
- Herrn Dr. Robert Jungwirth
- Frau Brigitte Göttinger und
- Frau Ulrike Rapp für die Organisation und Durchführung dieses Abends.
Wir freuen uns sehr über das große Interesse für diesen pädagogischen Abend und bedanken uns auf das Herzlichste für Ihr kommen.
Diese Gemeinschaftsarbeit der Städtischen Kindergärten und der Zukunftswerkstatt Elternarbeit wird fortgesetzt, so dass Sie sich auf weitere Veranstaltungen freuen können.
Bei Fragen und Auskünften stehen Ihnen gerne zur Verfügung: Herr Vogl, Stadtverwaltung, Tel.: 07163/161-130 oder Frau Rapp, Kindergarten Krapfenreuter Straße. Tel.: 07163/161-183
