Ständige Ausstellung
Das Museumsgebäude zählt zu den ältesten und schönsten noch erhaltenen
Ebersbacher Fachwerkhäusern. Es wurde Ende des 16. Jahrhunderts erbaut und
dürfte eine Zeitlang Ausdinghaus/Altersruhesitz der kaiserlichen Posthalter
gewesen sein - im Volksmund ist der Name »Alte Post« für dieses Haus
überliefert. Von 1519/20 bis 1698 war Ebersbach Sitz einer Thurn und Taxis'schen
Poststation. Das eigentliche Poststationsgebäude stand in der heutigen
Ludwigsstraße an der Stelle, an der sich die heutige Kreissparkasse befindet.
Bis ins 19. Jahrhundert hieß die Ludwigstraße in Erinnerung an den alten
Postroutenverlauf "Postgasse".

Das denkmalgeschützte Museumsgebäude wurde 1596 erbaut.
Ebersbach wird erstmals im 12. Jahrhundert urkundlich erwähnt. Es ist von
alters her ein Marktort mit über 500jährigem Marktrecht. Bereits 1503 gab es m
Ebersbach einen Amtmann, dessen Anwesenheit die Bedeutung der Gemeinde in der
Landvogtei Göppingen belegt. Mit rund 1200 Einwohnern gehört Ebersbach bereits
um 1600 zu den größeren Landgemeinden des Herzogtums Württemberg. Im Jahre 1975
wurde die heute rund 16 000 Einwohner zählende Gemeinde zur Stadt erhoben.
Verkehr
Seit dem Mittelalter führte die große, Italien mit den
Niederlanden verbindende Handelsstraße, mitten durch Ebersbach hindurch. Während
diese bedeutende Verkehrsader den ansässigen Gastwirten und Handwerkern
hauptsächlich Vorteile verschaffte, mußten die Ebersbacher Einwohner nach dem
Bau der Eisenbahn Mitte des 19. Jahrhunderts und mit dem Aufkommen des
motorisierten Individualverkehrs im 20. Jahrhundert lernen, auch mit den
Nachteilen des Verkehrs zu leben.

Die Geschichte der Ebersbacher Vereine bis 1933: Arbeitschaft - Bürgerschaft und Militaristen
Vom Handwerk...
Über Jahrhunderte hinweg war Ebersbach ein fast
reines Handwerkerdorf. Es gab nur wenige Vollerwerbsbauern, allerdings betrieben
die meisten Handwerker und Kleinhändler nebenher etwas Landwirtschaft. Zu den
verbreitetsten Handwerksberufen zählten noch bis ins 19. Jahrhundert die
Leinenweber, Schmiede und Wagner. Als regionale Besonderheit gelten die Sandler,
die noch bis 1962 in Ebersbacher Steinbrüchen Sand abbauten.

Die Ebersbacher "Sandler" bauten jahrhundertelang Sandstein ab und handelten auch mit gegrabenem Sand in verschiendenen Korngrößen.
... zur Industrie
Mit der Gründung verschiedener Textil- und
Maschinenfabriken, vollzog sich um 1900 der Wandel vom Handwerkerdorf zur
Industriegemeinde. Die zuwandernden Arbeiter sorgten für ein beträchtliches
Bevölkerungswachstum und eine grundlegende Veränderung der Sozialstruktur. Auch
Gastarbeiter aus Österreich, der Schweiz und Italien kamen nach Ebersbach und
fanden hier Arbeit. 1910 betrug der Ausländeranteil an der Gesamtbevölkerung
bereits 5 %. Ebersbach fügte sich ein in die lange Reihe kleiner
Industriegemeinden im »roten Filstal«.

Erst 1862 eröffnete ein Textilunternehmer in Ebersbach eine Fabrik: die Tuchfabrik Scheuffelen.
Literatur aus Ebersbach für Württemberg und die Welt
Auch drei Ebersbacher Persönlichkeiten widmet sich die Ausstellung:
- dem "Sonnenwirtle" Friedrich Schwahn (1729-1760), einem der bekanntesten Räuber Südwestdeutschlands, dessen denkwürdiges Leben Inspiritaion für Friedrichs Schiller "Die Räuber" war
- dem Pfarrer Hermann Diem (1900-1975), einem Vertreter der Bekennenden Kirche und entschiedenen Gegner des Nationalsozialismus und dem
- dem Schriftsteller Fritz Alexander Kauffmann (1891-1945)

Der "Sonnenwirtle" - Bänkelsangmaschine zum Selber-Kurbeln

Evangelischer Pfarrer Hermann Diem

Im Zweiten Weltkrieg entstand in einem Arbeitsraum im Dachgeschoss der Firma Kauffmann,also quasi zwischen Essigurken und Senf, ein Roman mit Weltliteraturformat: "Leonhard - Chronik einer Kindheit". Posthum erschien dieser unvollendete Roman 1956 erstmals und wurde 1985 in die Corona-Reihe von Manesse Bibliothek der Weltliteratur aufgenommen.
